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Augenklinik

Direktor:
Prof. Dr. med. Friedrich E. Kruse
Augenklinik

Treffen von Augenpezialisten in Bilbao (Spanien)

Interview mit Prof. Kruse in spanischer Tageszeitung El Correo

Seit mehr als 100 Jahren bestand die einzige Form der Keratoplastik darin, die Hornhaut komplett auszutauschen, unabhängig von der Art der Erkrankung. Wissenschaftliche Forschung und die Weiterentwicklung der Technik, für die Prof. Kruse entscheidende Beiträge geleistet hat, haben die Art und Weise der Transplantation in den vergangenen 10 Jahren revolutionär vorangebracht.

Die Hornhautchirurgie hat in der vergangenen Dekade eine wahre Revolution erlebt. Durch die Entwicklung neuer Operationstechniken können nun viel mehr Patienten transplantiert werden und damit ihr Augenlicht wieder erlangen. Jedoch gibt es mehr Patienten, die eine Transplantation benötigen als Menschen, die bereit sind, sich für eine Hornhautspende zu entscheiden. Dies war ein Schwerpunkt des internationalen Augenärztekongresses, der am vergangenen Wochenende im Kongresszentrum in Bilbao, Spanien, stattfand. „Wir brauchen mehr Hornhäute, um die Sehkraft unserer Patienten wiederherzustellen“ betonte Prof. Kruse, weltweit anerkannter Spezialist der Hornhautchirurgie und Direktor der Universitäts-Augenklinik Erlangen, in einem Interview mit der spanischen Tageszeitung El Correo im Anschluss an sein Referat (Artikel als pdf-Datei). Der Bedarf an Hornhauttransplantationen (Keratoplastiken) steigt Jahr für Jahr. Wir verfügen über das Wissen und besitzen die modernste Technik, um unseren Patienten zu neuer Lebensqualität zu verhelfen. Aber wir brauchen mehr Hornhautspender. Das Bewusstsein in der Öffentlichkeit für die Notwendigkeit einer Hornhautspende muss erhöht werden“. Dies bekräftigte u.a. auch Prof. Juan Antonio Durán de la Colina, Hornhautspezialist aus Spanien und Gastgeber des Kongresses. „Die Transplantation am Auge hat den Vorteil“, betonte er, „dass - im Gegensatz zur Nieren- oder Herztransplantation - mehr Zeit von der Gewebeentnahme bis zur Übertragung auf den Empfänger zur Verfügung steht“. Das Problem, fügt er hinzu, liegt darin, dass zu wenig soziales Bewusstsein in der Bevölkerung vorhanden ist und die Notwendigkeit nicht gesehen wird, Hornhäute zu spenden. Viele sind sehr zurückhaltend und haben möglicherweise noch nicht einmal über eine Organspende nachgedacht. 

Transplantationen am Auge werden vorgenommen wenn die Hornhaut getrübt ist, beispielsweise durch Infektionen, nach Verletzungen, und bei bestimmten Erkrankungen wie z.B. Keratokonus (eine krankhafte Veränderung der Hornhautwölbung) und der Fuchs’schen Hornhautendotheldystrophie. 

Seit mehr als 100 Jahren bestand die einzige Form der Keratoplastik darin, die Hornhaut komplett auszutauschen, unabhängig von der Art der Erkrankung. Wissenschaftliche Forschung und die Weiterentwicklung der Technik, für die Prof. Kruse entscheidende Beiträge geleistet hat, haben die Art und Weise der Transplantation in den vergangenen 10 Jahren revolutionär vorangebracht. „Die traditionelle Methode der Hornhauttransplantation war wesentlich eingreifender, und das Auge benötigte eine viel längere Rekonvaleszenz. Der Eingriff musste auf Personen, die praktisch blind waren, begrenzt werden“ erklärte Prof. Kruse. „Heute operieren wir, sobald beim Patienten eine Beeinträchtigung der Lebensqualität vorliegt, beispielsweise beim Autofahren in der Dunkelheit, beim Lesen oder bei der Verrichtung von Tätigkeiten im Alltag“. Darüber hinaus hat die moderne Hornhauttransplantation, bei der nur eine einzelne Schicht der Hornhaut transplantiert wird (sog. DMEK-Methode) die Komplikationsrate deutlich reduziert. Während die Transplantatabstossungsrate vorher bei 30% lag, liegt sie bei der neuen DMEK-Methode bei 1:1000. Auch dauerte es bei der veralteten Methode fast zwei Jahre, bis die Sehkraft wiederhergestellt war. Bei der DMEK-Methode hingegen vergehen nur wenige Monate, bis der Patient wieder gut sehen kann. „Die Hornhaut ist vergleichbar mit einer Windschutzscheibe“, veranschaulichte Prof. Kruse. „Bei einem kleinen Schaden (Steinschlag) mussten wir noch vor einigen Jahren die gesamte Scheibe (Hornhaut) austauschen. Heutzutage, reicht es aus, durch einen kleiner Schnitt, der vergleichbar mit der Chirurgie des Grauen Stars ist, erkranktes Hornhautgewebe durch ein neues zu ersetzen. Gleichzeitig werden dabei wesentlich bessere Heilungsergebnisse erzielt.“ 

An der Universitäts-Augenklinik Erlangen werden jährlich etwa 700 Hornhauttransplantationen durchgeführt, die meisten mit der modernen DMEK-Methode. Damit ist die Erlanger Augenklinik nicht nur in Deutschland führend auf dem Gebiet der Hornhautchirurgie, sondern ist weltweit das Zentrum mit den meisten Eingriffen an der Hornhaut und genießt international einen ausgezeichneten Ruf. Die Erlanger Augenklinik besitzt eine eigene Hornhautbank und kann somit Spendergebe selbst kultivieren und aufbereiten. Da die Augenklinik mit deutschen und internationalen Augenbanken zusammenarbeitet, verkürzt sich die Wartezeit zunehmend. Daneben forschen Professor Kruse und sein Team an der Weiterentwicklung von Transplantationsverfahren; für ihre Leistungen wurden sie bereits mehrfach international ausgezeichnet.

 

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