Therapie

Augenklinik

Direktor:
Prof. Dr. med. Friedrich E. Kruse

Die Behandlung als Alternative zur primären Entfernung des Auges (Enukleation) stellt heute verschiedene Formen der Radiotherapie (Brachytherapie = direkte Kontaktbestrahlung) mit Ruthenium- bzw. Jod Seeds zum Teil in Kombination mit operativen Verfahren (Chorioidektomie, Endoresktion des Tumors) dar.

Seit 21 Jahren werden an der Augenklinik in Zusammenarbeit mit der Strahlenklinik des Universitätsklinikums Erlangen maligne Melanome der Aderhaut durch direktes Aufbringen radioaktiver Strahlenträger (Ruthenium-Applikatoren) auf die Sklera therapiert.


Augenkrebs: Impfung soll Metastasen verhindern

Studienteilnehmer für neue Therapie bei Aderhautmelanom gesucht:

Bei etwa der Hälfte der Patienten, die an einer Krebserkrankung der Aderhaut des Auges (Aderhautmelanom oder Uveamelanom) leiden, können sich trotz Entfernung oder Zerstörung des Tumors lebensbedrohliche Metastasen bilden, insbesondere in der Leber. Diese Streuung der Krebszellen kann derzeit nicht verhindert werden.

In einer bislang weltweit einmaligen, von der Deutschen Krebshilfe geförderten klinischen Studie wird geprüft, ob eine personalisierte Impfung mit körpereigenen mobilisierten Zellen die Bildung von Metastasen verzögert oder verhindert werden kann. Diese Art der Impfung mit so genannten dendritischen Zellen hat sich bei anderen Tumorarten bereits als wirkungsvoll erwiesen. 

Entnahme von Tumorgewebe vor der Behandlung erforderlich

Zur Herstellung des Impfstoffes muss Tumorgewebe bei der Tumoroperation in einer bestimmten Form entnommen werden. Patienten, mit Verdacht auf Uveamelanom, die an der Studie teilnehmen möchten, müssen deshalb unbedingt bereits vor dem Beginn der Behandlung mit der Studienzentrale Kontakt aufnehmen.

Die Augenklinik des Universitätsklinikums Erlangen ist eine von acht universitären Augenkliniken in Deutschland, die an der Studie teilnimmt. Die Uveamelanom Studie wurde gemeinsam von der Augenklinik und der Hautklinik des Uni-Klinikums Erlangen entwickelt und initiiert.

Weitere Informationen zur Studie und Kontakt zur Studienzentrale


Brachytherapie

Neben der atraumatischen Enukleation steht uns heute die Brachytherapie mit niederenergetischen Applikatoren wie Jod 125 und Ruthenium 106 zu Verfügung. Jod 125 ist ein künstliches Isotop, das Beta-Strahlen mit einer mittleren Photonenenergie von 27 - 35 keV emittiert. Da die Halbwertszeit von Jod 125 nur 60 Tage beträgt, können die Applikatoren nur etwa 2 Monate eingesetzt werden. Ruthenium 106 ist ein nieder-energetischer Beta-Strahler mit einer maximalen Energie von 3,53 MeV. Bedingt durch die lange Halbwertszeit von 368 Tagen können die Rutheniumapplikatoren 1-2 Jahre benutzt werden.
Die Rutheniumapplikatoren sind kommerziell in großer Formenvielzahl (z.B. mit Opticusausschnitt für juxtapapilläre Tumoren) erhältlich.

Betastrahler

Die Gewebseindringtiefe von Beta-Strahlern ist begrenzt; die 10% Isodose der am häufigsten eingesetzten Applikatoren beträgt 6mm. Die Indikation zur Brachytherapie maligner Melanome ist bei kleinen und mittelgroßen Tumoren mit einer Tumorhöhe bis maximal 7-8 mm und einer Tumorbasis von 10-12 max.14 mm möglich.

Studien zum Thema Ruthenium-Applikatoren

Von Mai 1991 – Ende 2011 wurden 400 konsekutive Patienten (168 Frauen, 23 Männer) mit einem mittleren Alter von 61 Jahren (18 Jahre bis 81 Jahre) im Rahmen einer prospektiven Studie mit dem Ziel der Erhaltung des Bulbus und eines brauchbaren Sehvermögens mit Ruthenium 106-Applikatoren therapiert. Die Tumorhöhe lag zwischen 2,7 und 6,0mm, die Tumorbasis zwischen 8,0 und 14,0mm. Eine kollaterale Amotio retinae fand sich in - 2 - 91%, eine tumorferne in 56% der Augen. Eine Fernmetastasierung vor Therapie war bei keinem Patienten nachweisbar. Die Dosis wurde an der Tumorspitze auf < 150 Gy gerechnet in Abhängigkeit einer maximalen Skleradsis von < 1000 Gy. Die Sicherheitszone um den Tumor betrug 1 mm, ein Patient wurde aufgrund der Tumorgröße zweimal beladen. Die Bestrahlungsdauer lag zwischen 67 und 154 Stunden.

Ergebnisse

Bei 86 % der Patienten mit einem Nachbeobachtungszeitraum von 12 - 60 Monaten konnte eine Tumorregression in Form einer narbigen Umwandlung des Tumors innerhalb eines Intervalles von 6 - 9 Monaten erreicht werden. 5% der Augen zeigten trotz Bestrahlung eine Wachstumsprogression, 9% der Augen mit flachen Aderhautprozessen keine nennenswerten Veränderungen. 19 Augen mußten nach Radiatio enukleiert werden: 12 Augen wegen fortschreitendem Tumorwachstum, ein Auge wegen Panendophthaslmitis, ein Auge wegen Skleradurchbruch mit extraskleralem Wachstum, und 5 Augen wegen massiver Zunahme der exsudativen Amotio retinae mit Entwicklung eines Sekundärglaukomes.

Die bisherige Erfolgsrate lag bei 88%. Die Überlebensrate beträgt 94% in einem Nachbeobachtungszeitraum von 5 Jahren, 42 Patienten verstarben infolge einer generalisierten Metastasierung, 12 Patienten an Zweittumoren. Eine Rückbildung der kollateralen und tumorfernen exsudativen Amotio retinae innerhalb der ersten 3-4 Monate konnte in 74% der Augen zusammen mit einer Regression der Tumorprominenz verzeichnet werden. In der Literaturübersicht liegt die Erfolgsrate bei über 90% in einem Nachbeobachtungszeitraum von 5 Jahren. Die postoperative Fuktionserhaltung des Sehvermögens ergab in Abhängigkeit der Tumorlokalisation (peripher - paramakulär gelegen) in 36 % der bestrahlten Augen einen Fernvisus von über 0,8, in 41% über 0,5 in 14% weniger als 0,2 und in 7% aufgrund der zentralen Tumorlage eine Verlust der zentralen Sehschärfe.

Schlussfolgerung

Die Ruthenium-Plaque-Therapie ist eine adäquate Alternative in der Behandlung maligner Melanome mit folgenden Einschränkungen: Die Tumoren sollten eine Tumorbasis von 14 mm sowie eine reine Tumorprominenz von 6 mm nicht überschreiten, den Nervus opticus, die Opticusscheiden nicht infiltrieren und insbesondere im Ziliarkörperbereich ausreichend deckend bestrahlt werden.
Bei sehr rascher Tumorregression innerhalb weniger Wochen ist mit einer erhöhten Rezidivrate zu rechenen.

 
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Zusammenfassung